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Geschichten von Läufer*innen

Trail in Patagonien

Zwei Wanderer/Wanderinnen in einem felsigen Gebirge

Der professionelle Abenteurer und begeisterte Trailrunner Andy Cochrane erzählt von seinem kürzlichen Erlebnis. Zusammen mit vielen Fotos berichtet er von der siebentägigen Lauftour, die ihn 120 Kilometer über die besten Trails Südamerikas führte.

Trails in Patagonien

Torres del Paine Nationalpark in der chilenischen Region Patagonien

Diejenigen, die mich gut kennen — oder die mir auf Instagram folgen — wissen, dass ich nicht gerne stillsitze. Ich weiß nicht genau, woher ich diese Eigenschaft habe, aber ich weiß, dass ich sie schon seit frühester Kindheit besitze. Glücklicherweise habe ich viel Erfahrung mit solchen Dingen.

Viele meiner Lieblingstage bestehen aus langen Wanderungen in den Bergen oder großen Erkundungsreisen zu Fuß in neuen Ländern. Ich kann mich glücklich schätzen, dass mir mein Lebensstil das erlaubt und auch mein Beruf es mir ermöglicht.

Patagonien, eine Region am südlichsten Ende von Südamerika, hat es mir schon seit Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, angetan. Es war eines der wenigen Outdoor-Ziele, die ich noch nie persönlich erlebt hatte. Ich wollte jedoch nicht mit einem schweren, unhandlichen Rucksack durch den Torres del Paine wandern. Stattdessen wollte ich die schroffen, von Wurzelwerk durchzogenen Pfade laufend erleben, weil mir das Laufen nicht nur mehr Spaß macht, sondern man auch in kürzerer Zeit viel mehr zu sehen bekommt. Der O-Trek ist zwar berühmt, es gibt aber nur wenige Menschen, die diese Route laufen. Das war mir Inspiration genug, es anzugehen. Wir planten eine 5-tägige, 136 Kilometer lange Tour rund um den Park. Für Langstreckenläufer bedeutete das zwar volle, aber nicht übermäßig harte Tage.


Läufer*innen, die einen Trail beginnen

Laufen auf dem O-Trek, Torres del Paine, Patagonien

Ich erinnere mich deutlich an die ersten paar Schritte. Vor Aufregung bin ich förmlich geplatzt. Vor der Reise habe ich noch versucht, meine Erwartungen zu dämpfen. Als ich aber die Gipfel von Torres sah, war ich Feuer und Flamme. Unsere Rückkehr fünf Tage später war fast enttäuschend, um ehrlich zu sein. Am letzten Tag hatten wir wunderschönes Wetter und einen angenehmen Trail, so dass wir gegen Mittag fertig waren. Wir hatten auf eine letzte Herausforderung gewartet, etwas richtig Hartes, durch das wir uns durchkämpfen mussten, aber sie kam nicht. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit, Tagebuch zu schreiben. Ich hatte diesen Lauf ein paar Jahre lang geplant (danke, COVID) und dann war er plötzlich vorbei. So richtig begriff ich das erst beim Abendessen.

Die Logistik unseres Laufs war unglaublich kompliziert. Der beste Tipp, den ich anderen geben würde, ist, in Übernachtungen in Hütten zu investieren. Durch die Übernachtung in Berghütten hält sich das Gewicht des Rucksacks in Grenzen. Außerdem lernt man so die Einheimischen kennen und kann mit seinen neuen Freund*innen richtig gute (wenn auch einfache) Mahlzeiten genießen. Das waren einige der schönsten Momente der Reise für uns. Oft sind wir früh aufgestanden und haben in aller Ruhe Kaffee getrunken und gefrühstückt, bevor wir unsere Taschen gepackt und uns auf den Weg gemacht haben.

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Runners next to a mountain lake

Wie bei den meisten Abenteuern im Gebirge gab es immer wieder Herausforderungen. Wir hatten nicht nur halbe Tage mit Dauerregen, sondern auch einige Scheuerstellen, Rückenschmerzen, Schlafprobleme, einen schlimmen Sturz, steile Anstiege und heftigen Wind. An einem Abend mussten wir uns wegen eines Missverständnisses bei der Reservierung auf die Suche nach Essen begeben (Fertignudeln haben uns gerettet!). Im Großen und Ganzen verlief die Tour aber reibungslos. Patagonien ist eine herausfordernde Gegend — manche sagen, dass man dort pro Tag vier Jahreszeiten durchlebt. Daher waren wir mit den Gegebenheiten wirklich zufrieden.

Ohne die eine oder andere Herausforderung, ob auf Langstreckenläufen oder im Alltag, habe ich das Gefühl, nichts mehr dazuzulernen. Begegnet man Herausforderungen mit Neugier und dem Willen zum Experimentieren, stellt man oft fest, dass man mehr schafft als man sich zutraut. Unser Lauf war das beste Beispiel für diese Haltung. Wir haben unser Bestes gegeben, um alles bis ins kleinste Detail zu planen und die richtige Ausrüstung einzupacken, aber letztendlich liegt man immer irgendwo daneben. Solche „Verdammt“-Momente prägen uns. Dann fühle ich mich richtig lebendig.

Wanderer/Wanderin schnürt sich die Schuhe

Trailtricks und Ausrüstungstipps

Glücklicherweise habe ich viel Erfahrung mit solchen Dingen. Ich wuchs als Kind zweier Park Ranger auf. Kajakfahren habe ich ungefähr zu der Zeit gelernt, als ich laufen lernte. Schon in der Grundschule unternahm ich Wochentouren. Bis zu meinem College-Abschluss hatte ich mehr als zwei Jahre meines Lebens in einem Zelt verbracht, oft an abgelegenen Orten. Das ist mittlerweile fast schon Normalität in meinem Leben.

Ich habe eine Menge an kleinen Tricks gelernt, die mir in turbulenten Zeiten helfen, warm, zufrieden, entspannt und ruhig zu bleiben. Eine der wichtigsten Regeln für jede Art von Backcountry-Reisen ist es, auf seine Füße zu achten. Im Gegensatz zu so ziemlich jedem anderen Teil deines Körpers bedeutet ein kaputter Fuß oder ein verletzter Knöchel, dass du möglicherweise evakuiert werden musst. Deshalb ist es wichtig, dass man seine Schuhe vorher ausgiebig austestet. Wollsocken sind besonders gut geeignet, weil sie Wasser und Kälte gut vertragen. In Gebirgsflüssen kann man seinen Füßen regelmäßig ein Eisbad gönnen. Außerdem sollte man bei Bedarf KT-Tape oder Bandagen verwenden, um sich vor Umknicken und Sehnenscheidenentzündungen zu schützen. Bislang habe ich noch nie einen Zehennagel verloren und hoffe, dass das so bleibt. Für dieses Projekt habe ich den Brooks Cascadia 15 getragen, einen robusten Schuh mit einer Menge Dämpfung und ausreichend Traktion. Der perfekte Schuh für Patagonien!

Wanderer/Wanderinnen gehen über Felsen

Torres del Paine Nationalpark in der chilenischen Region Patagonien

Bei jedem Outdoor-Abenteuer ist die richtige Ausrüstung das A und O. Für meinen Patagonien-Trip habe ich einen 40-Liter-Fastpacking-Rucksack mitgenommen. Wahrscheinlich wäre ich aber auch mit etwas Kleinerem ausgekommen. Im Gepäck hatte ich Ersatzkleidung, Snacks, ein Erste-Hilfe-Set, einen Schlafsack und ein paar elektronische Geräte. Das Wichtigste für uns war, Kleidung mitzunehmen, die man leicht übereinander schichten kann, wenn sich das Wetter schnell ändert. Wir wollten also möglichst einfach zwischen einer GORE-TEX Regenjacke, einer Windjacke, einer Daunenjacke oder einer Midlayer wechseln können, je nach den Bedingungen und unserer Geschwindigkeit. An den meisten Tagen habe ich die Canopy Jacke und die Switch Hybrid Hose getragen. Beide sind atmungsaktiv, halten aber auch ein bisschen Wind und leichten Regen ab. Natürlich ist es wichtig, nur Kleidung mitzunehmen, die feuchtigkeitsregulierend ist, schnell trocknet und auch bei Nässe warm hält – Baumwolle sollte zu Hause bleiben.

Zwei Personen sitzen auf einem Berg und genießen die Aussicht

Was kommt als Nächstes?

Nach einer Woche zu Hause, in der ich Fotos bearbeitet und über dieses Erlebnis geschrieben habe, freue ich mich schon darauf, wieder dorthin zurückzukehren. Es gibt nicht viele Orte, die eine solche Anziehungskraft auf mich ausüben wie Patagonien – und noch weniger davon möchte ich mehr als einmal besuchen. Neue Erlebnisse stehen bei mir ganz oben auf der Prioritätenliste! Dieser Ort und der Nationalpark sind aber definitiv die Ausnahme. Im Moment arbeite ich an der Verbesserung meiner Grundlagenausdauer fürs Laufen, während ich die Skisaison ausklingen lasse. Ich werde diesen Frühling einen Monat in Europa verbringen, bevor ich die Skier endgültig in den Keller stelle und die Kilometerzahl für die Alpinsaison im Sommer erhöhe.

Andy Cochrane beim Kaffeetrinken

Biografie

Andy ist ein freischaffender Autor, Fotograf und Produzent, der mit seiner Hündin Bea in Jackson, Wyoming, lebt. Er ist ein begeisterter Trailrunner, nimmt aber nur selten an Wettläufen teil. Stattdessen verbringt er seine Zeit damit, neue Abenteuer mit zwei Füßen zu erfinden, wobei er sich meistens in den weitläufigen Bergen verirrt und den Rest des Tages damit verbringt, den Weg nach Hause zu finden.

Möchtest du mehr erfahren? Folge seiner Reise auf @andrewfitts oder besuche seine Website , um mehr zu erfahren.